Eine Postkarte aus Beirut bekommt man nicht alle Tage, denn obwohl die Stadt lange als das Paris des Nahen Ostens galt, ist sie heute nicht unbedingt ein gängiges Touristenziel. Beirut ist eher als Thema der Abendnachrichten in unserem Bewusstsein, mehr Krisenherd denn Kulturzentrum. Kein Wunder also, dass eine Gruppe aus Beirut , Libanon, erstmal neugierig macht. Während die Welt um sie herum zerbröckelt, verwandeln Postcards ihre Wut in etwas Transzendentales. Mit ihrem neuen Studioalbum „Ripe“ (28.03.2025) nimmt das Trio auf, was sich in den letzten Jahren angesammelt hat und streckt es in neue, unerwartete Richtungen. Ripe ist sowohl ein Ausbruch als auch eine natürliche Entwicklung für die Band: rauer, dunkler, aber mit der gleichen unbeirrbaren Entschlossenheit ‐ eine passende Antwort auf die Unruhen, die ihre Region derzeit durchlebt.
Den Postcards ist mit ihrem Debüt „I´ll be here in the Morning“ (2018) , dem Album „The Good Soldier“ (2020) Dream‐Pop in Vollendung geglückt! Mit dem Album „After the Fire, Before the End“(2021) wurden die nicht aufhörenden Krisen im Libanon verarbeitet. Im Falle der aufstrebenden Band liegt es auf der Hand, den Reiz des Exotischen zu beschwören, doch würde man damit den Postcards keinesfalls gerecht. Der markante Sound der Band verrät seine Provenienz nie, tönt vielmehr so, als wäre er vom Campus eines US‐College ausgebüxt. Genau da ran muss man ihn messen. Würden die Postcards auch aufhorchen lassen, wenn sie
einem der musikalischen Hotspots der USA entsprungen wären? Aber ja! Denn in ihrer Musik trifft melodischer Feinklang auf den genretypischen Gitarrensound und einen Gesang, der im Ausdruck seinesgleichen sucht. Julia Sabra verfügt über einen Vortrag, der alle Verlorenheit und Sehnsucht fast beiläufig ins Mikro haucht. Sabras nachdenkliche Smme, dass atmosphärisch dichte Spiel
ihrer Bandkollegen und ein von zarten, zugleich eingängigen Harmonien geprägtes Songwriting machen die Postcards mit zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Solider Shoegazer‐Dream Indie‐Pop, der satte Indie‐ Gitarren mit ätherischem Gesang und verträumten Melodien kombiniert. Existentialistisch schön.
Deshalb , auf zu den Konzerten der Band!